Montag, 16. Mai 2016

Ironman Texas 2016 - Rennbericht

Don't mess with Texas?!
...doch... :-)

Hier also ein etwas ausführlicherer Rennbericht zum IM Texas 2016, am 14. Mai 2016. Versuche nicht zu ausschweifend zu schreiben, aber ein paar Zeilen mehr werden es schon werden. Noch detailliertere Beschreibungen einzelner Gegebenheiten oder spezieller Aspekte werde ich in näherer Zukunft in meinem beruflichen Blog verfassen... Check it out here: onetoone Personaltraining

Swim

Mein erster Wettkampf mit "Rolling Start", d.h. alle Starter stellen sich an Land auf - ähnlich eines Starterfeldes bei einem Marathon und auf Kommando gehen die Teilnehmer wie die Lemminge ins Wasser. Dadurch entzerrt sich das Ganze mehr und die Sportler können (theoretisch) besser in ihrem Leistungsbereich schwimmen. Wassertemperatur betrug 88.1 Fahrenheit, was rund 31 C (!!!) gleichkommt.

Ich konnte mich leider nur ca. am Ende des vorderen Drittels einordnen, da sich viele Starter bereits sehr früh in den Startkanal begeben hatten um den separaten Start der Profi Männer & Frauen zu sehen, was mich persönlich nicht besonders interessierte. Somit verlief der Start recht entspannt. Allerdings war ich nun umgeben von unzähligen langsameren Schwimmern. Die Entscheidung zwischen zahllosen (energieaufwändigen) Überholvorgängen oder dem bestmöglichen Kompromiss des "Mitschwimmens" war recht einfach, da ich keinerlei riesen Ambitionen auf AK- oder Hawaii-Slots hatte. Zugegebener Maßen hätte ich aber gerne meine eigentlich ganz gute Schwimmperformance besser nutzen wollen. Naja.

Nach ca. 10min hatte ich einen passablen Rhythmus gefunden und konnte bequem im 3er-Zug schwimmen, ohne größere Anstrengung. Im Prinzip ein langes Ausdauerschwimmen im Trainingsmodus. Die Schwimmstrecke war - nach kurzfristiger (Wasser)qualitätsbedingter Änderung - einfach. 1700m geradeaus, 200m quer, 1700m geradeaus, 200m quer = ein flaches Rechteck. Nach Rücksprache mit Athleten und deren GPS-basierten Messungen war die Strecke aber wohl 2-300m länger... Dies würde meinen Eindruck bzw meine Berechnungen meiner locker zu erreichenden Pace unterstützen, den meine Schwimmzeit hat mich schon im ersten Moment schon irritiert. Eine Zeit die ich im Training normalerweise unterbiete. Egal. Abhaken und auf das Rad (jipieeh).

Bike

Nach kurzem Innehalten und Wechselbeutel suchen (no Helmets in the Bike spot) ging es ab aufs Rad - meiner wohl diesjährig stärksten Disziplin. Dort hatte ich mir fest vorgenommen meine berechneten "Functional Threshold Power" (FTP) Werte zu fahren um möglichst optimal und entspannt vom Rad zum Laufen wechseln zu können. Die Herausforderung war/ist IMMER, sich zu bremsen und der Euphorie und dem Adrenalin nicht nachzugeben und aus der Wechselzone heraus zu hämmern. Puls runterbringen - denn der ist nach dem Schwimmwen / Wechsel / Aufregung meist ins Sphären die so garnichts mit "Langzeitausdauer" zu tun haben. Ist mir ganz gut gelungen.

Die Radstrecke war weitestgehend flach bis ganz leicht wellig, aber durch die schweren Überschwemmungen der Vorwochen zum einen auf rund 152km gekürzt und mit ca 85 - teils sehr engen, einspurigen, unebenen 90-Grad-Kurven bzw. einigen 180-Grad-Turns - eine technisch anspruchsvolle und unrhythmische "langsame" Strecke. Es gab lediglich einen Abschnitt der ca. 5 Meilen geradeaus ging, der Rest war nach Adam-Riese jede 1-1,5 Meilen von einem Richtungswechsel (Kurve) unterbrochen. Schwierigkeit ist das möglichst gleichmäßige Herausbeschleunigen aus den Kurven und das Vermeiden von sog. "Leistungsspitzen". Einige Kurven komnte ich durchballern, aber meist war man blockiert von Fahrern mit mangelhafter Technik und Unsicherheit. ...tja...geile Zeitfahrmaschiene bedeutet nicht immer gleich "Radbeherrschung".

Windbedingungen waren okay. Wer auf Lanzarote trainiert, der ist Kummer gewöhnt. :-) Die Hitze dagegen war schon eine Herausforderung und benötigte eine Anpassung der Ernährungsstrategie bzw. Coolingstrategie. Mit einem 36er Schnitt, den ich "easy" über die vollen 180 km hätte fahren können, bin ich sehr happy. Interessant für mich war mein Kompromiss bzgl. Aerodynamik und Fahrkomfort. So musste ich im Schnitt rund 25 Watt mehr aufwenden als im Vergleich zu (m)einer Zeit mit gleicher Durchnittsgeschwindigkeit aus der Vergangenheit. Die gute Nachricht ist: ich habe eine höhere Leistungsfähigkeit - und das sogar das ein oder andere Jahr später!!! *yeah*

Run

Der Wechsel zum Laufen war teils geplant, teils ungeplant etwas länger. Aufgrund der Hitze habe ich mich während des Radfahrens (!!!) entschieden, die Klamotten komplett zu wechseln. Vom TriSuit (Einteiler) auf "oldschool" Laufhose und langärmeliges SkinCooler Oberteil. Langärmelig? Bei 35 Grad? Ja! Der Kühleffekt - insbesondere im Bereich des oberen Rückens/Nackens und der Armbeugen ist immens. Also habe ich mir den Vorteil "moderner" Textilien zu Nutze gemacht. Nachteil: auf verschwitzter Haut wechselt sich ein extreeeem eng anliegendes Oberteil sehr schwer, aber mit Hilfe eines der unzähligen, großartigen Volunteers war es gut machbar...

Was für mich ganz wichtig ist, sind trockene Füße...! Also Socken an - meine barfuß-ich-spare-jede-Sekunde-Zeit ist vorbei. :-)  Und los ging's...  Hier habe ich bewusst ein bisschen gepokert mit der Anfangsgeschwindigkeit. Normal gaukelt einem das Hirn ohnehin noch das Radfahrtempo vor... Habe es aber auch gleich wieder sein lassen. Ist das Laufen eigentlich meine Stärke, so war die Vorbereitung diesbezüglich ein permanenter Kompromiss. Da kann man nicht erwarten im Bereich früherer Leistungsfähigkeit unterwegs zu sein. :-)

3 Runden um den Lake Woodlands, ca. jede Meile eine Aid-Station. Kühlen, kühlen, kühlen und abwarten bis der vorhersehbare Tempoabfall kommen muss(te). Bis KM 24-26 war ich mir ziemlich sicher, dass es gut funktionieren wird und ab dann wollte ich mal schauen. So kam es im Prinzip auch. Rechtes Knie ein bisschen zickig, linker Oberschenkel ein bisschen hart, habe ich Tempo und Laufstil angepasst - ja das geht, sofern man die technischen Möglichkeiten dafür besitzt.

Wetterkapriolen und Finish

...auf der zweiten Hälfte meiner finalen Laufrunde kam das, was "the Voice of Ironman" (Mike Reilly) auf der Awardparty als "historical and never happend during an Ironman" bezeichnete. Ein schweres Unwetter zog blitzartig herauf und schon befanden wir uns im "Auge des Sturms". Heftigster Blitz & Donner direkt über uns, zwischen Bäumen und einem See... Kein guter Ort! Ich mag Gewitter eigentlich, aber da habe ich mich schon ertappt bei dem Gedanken lieber in einem sicheren Umfeld zu sein. Zu allem Überfluss kamen Sturmböen, heftigster Regen und Hagel dazu. In kürzester Zeit waren die Straßen knöchelhoch überschwemmt und die Rennleitung hat das Rennen gestoppt.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich exakt 40,2km des Marathons absolviert und wir mussten völlig durchnässt und kalt für 15min anhalten. Ich hatte noch das Glück in einer Art Vorraum eines Parkhauses stehen zu können. Aber es gibt "more pleasant situations" wenn die Beine / Muskeln eh schon Matschpampe sind. Wie auch immer... Es sammelten sich nach und nach ca. 200-250 Läufer an dieser Stelle. Was nach der Fortsetzung des Rennens - auf einem einspurigen Weg mit Gegenverkehr zu - sagen wir - leichten Engpässen geführt hat. An ein halbwegs sportliches Tempo war nicht mehr zu denken uns somit hat mich die Aktion sicherlich 18-20min gekostet...

Die Ironman Veranstalter haben sicherlich einen bestmöglichen Kompromiss in dieser außergewöhnlichen Situation angestrebt. Eine Entscheidung zur Sicherheit der Teilnehmer und somit muss man das uneingeschränkt unterstützen! Allerdings möchte ich auch nicht in der Haut einiger Hawaii-Qualifikanten stecken, die gerade so an der Schwelle des Slots standen / stehen...

However - habe ich also meinen geschundenen Körper (JETZT bitte eine Runde Mitleid) noch mal in Bewegung gesetzt um über die Ziellinie zu dackeln. Belohnung: eines der entspanntesten Langdistanz-Finishs ohne Druck und übermäßigem Leistungsgedanken. Und im Zielbereich einen lauwarmen Chicken-Burrito!!!

War es das wert? Absolut! Würde ich nochmal nach Texas kommen? Absolut! ...aber dann als Zuschauer... :-)

Danke / Shoutouts

...kommen noch den wir gehen gleich Richtung Flughafen. Tippen auf dem Tablet is a pain in the ass. :-)


Cheers,
M.

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